Wie Wind und Sonne den Strompreis beeinflussen

Wie groß ist der Merit-Order-Effekt wirklich?

Der Anteil von erneuerbaren Energien (EE) an der Stromerzeugung steigt kontinuierlich und hat mittlerweile 25% im Jahresmittel erreicht. Gleichzeit ist seit mehreren Jahren ein Rückgang der Strompreise an der Börse zu erkennen. Vertreter der EE-Branche verweisen darauf, dass dieser Strompreisrückgang von den EE verursacht wird. Die Minderkosten insbesondere für die Industrie müssten also von den Kosten der EE-Umlage abgezogen werden.

Die Argumentation, dass über den sogenannten „Merit-Order-Effekt“ der Preis an der Strombörse gesenkt wird ist plausibel. Hier im Blog ist zuletzt Tina Ternus sehr ausführlich auf den Sachverhalt eingegangen.

Dennoch zweifele ich in letzter Zeit, dass der Effekt als Begründung ausreicht. Zum Nachdenken haben mich zwei Fragen gebracht:

Wind und Sonne sind sehr unstet und bei weitem nicht ständig verfügbar. Der Strompreis an der Börse ist  aber für alle Stunden des Jahres gesunken. Wie kann die Sonne den Strompreis senken, wenn sie nicht scheint?

Die EE werden ausschließlich über den sogenannten Spotmarkt verkauft. Die Strompreise für die Endkunden werden aber zum allergrößten Teil vom Terminmarkt bestimmt, wo Strom viele Monate im Voraus gekauft wird. Woher weiß der Verkäufer von Strom, wieviel Erzeugung von EE in einigen Monaten herrschen wird?

Auch Gespräche mit Energiemarktexperten haben die Zweifel unterstützt. Die verweisen darauf, dass immer noch erhebliche Überkapazitäten im Strommarkt sind und das auch noch 2-4 Jahre so bleiben wird, zumindest im Bundesdurchschnitt. Auch die erheblich gesunkenen Weltmarktpreise für Kohle – die durch den Gasboom in den USA verursacht wurden – können gesunkene Preise in der Stromerzeugung erklären. Nicht zuletzt hat sich der Preis für Emissionszertifikate vollkommen anders entwickelt, als vor 5 Jahren vermutet wurde.

Wo liegt also die Wahrheit, die Erklärung für den gesunkenen Strompreis? Etwas Aufhellung bringt eine aktuelle Veröffentlichung des BDEW zum EEG[1]. Darin werden statistische Untersuchungen über Strompreise an der Börse und ihre Abhängigkeit von der Erzeugung aus Wind und Sonne dargestellt. Für Wind zeigt sich, dass im Mittel der Strompreis sinkt, wenn mehr Windstrom eingespeist wird. Die Preise haben aber eine so große Streuung, dass der Spotpreis auch von anderen Faktoren beeinflusst wird.

BDEW-Grafik Merit-Order Windenergie

Mit Regressionsanalysen konnte ermittelt werden, dass im Durchschnitt von 2011 der Strompreis um 1,34 €/MWh sank, wenn 1000 MW zusätzlicher Windstrom produziert wurde. Dieser Effekt ist etwa genau so hoch, wie der eines veränderten Energieverbrauchs (1,25 €/MWh Strompreisanstieg bei 1000 MW zusätzlichem Verbrauch). Für PV liegt der Effekt bei 0,82 €/MWh bei 1000 MW zusätzlicher Produktion.

Für PV-Strom zeigte darüber hinaus ein Vergleich der Durchschnittspreise während einzelner Tagesstunden zwischen 2011 und 2013 zwei unterschiedliche Effekte: Eine Verschiebung der gesamten Preiskurve am Tag (auch Nachts) nach unten um etwa 14 €/MWh und zusätzlich ein auf die PV-Einspeisung zurück zu führender Rückgang während der Sonnenstunden um ca. 5,5 €/MWh.

BDEW-Grafik Merit-Order Photovoltaik

Welche Rückschlüsse ziehe ich aus diesen Informationen? Es ist mir mit diesen Zahlen nicht möglich auszurechnen, wie viel Milliarden die EE durch den Merit-Order-Effekt eingespart haben. Klar scheinen mir zwei Dinge zu sein: Der Merit-Order-Effekt ist nicht nur theoretisch, er ist auch in den Preiskurven ablesbar. Der Effekt reicht jedoch nicht aus, die Absenkung der Strompreise komplett zu erklären. Ohne weitere belastbare Berechnungen (von denen ich nicht weiß, wie sie vorgenommen werden sollten) würde ich den Effekt der Einspeisung von EE auf die Strompreissenkungen der vergangen Jahre mit 30-50% abschätzen.

Wer hat bessere Erkenntnisse? Über Beiträge freue ich mich.

Hans-Peter Scheerer


[1] Erneuerbare Energien und das EEG: Zahlen, Fakten, Grafiken (2014) vom 24.02.14

10 Gedanken zu “Wie Wind und Sonne den Strompreis beeinflussen

  1. Hallo Ihr Merit Order Interessierte.

    Neuere Zahlen, zur Betrachtung des Merit Order Effektes.

    Info. Wirtschaftsministerium:
    http://tinyurl.com/peqcaap

    Ein Cent weniger Börsenpreis ergibt 0,4 Cent mehr Umlage

    Info. BEE:
    http://tinyurl.com/qzqsvl4

    Anteil der sinkenden Börsenpreise in der Umlage, 1,47 Cent seit 2008.

    Ausgehend von den bekannten Zahlen, muss in diesem Zeitabschnitt der Börsenpreis um 3,675 Cent gesunken sein.
    Rechnung: 1,47 : 0,4 = 3,657, das wären im Durchschnitt pro Jahr dividiert durch 6 = 0,6125 Cent.
    Dazu kommt die Umlagensteigerung von 0,4 Cent die bei 1 Cent weniger Börsenpreis pro Jahr zu Buche schlägt..
    Rechnung 0,4 x 0,6125 = 0,245 Cent.

    Macht zusammen 0,6125 + 0,245 = 0,8575 Cent Merit Order Effekt/Jahr.

    Eine jährlich Merit Order bereinigte Umlage wäre gegenwärtig kaum noch ein Thema.

    Aus gutem Grund heißt es in der BMWi Info. Wie folgt

    Der Einfluss der Börsenpreise auf die EEG-Umlage ist erheblich

  2. Bisher profitierte nur die Industrie vom Merit-Order-Effekt (http://energieinitiative.org/der-merit-order-effekt-so-profitiert-die-industrie/). Es scheint wohl so, als würden die Endverbraucher nun auch an die Reihe kommen.

    Mir ist auch nicht vollkommen klar, weshalb der Strompreis dermaßen gesunken ist. Es wird aber an irgendwelchen untransparenten Faktoren liegen, die wir wohl nicht kennen.

    Was ist eigentlich mit dem Strom, der von der Industrie selbst produziert wurde und eventuell zurückverkauft und in den normalen Kreislauf eingespeist wurde. Es rentierte sich für einige Unternehmen bestimmt.

    Vielleicht ein kleiner Denkanstoß.

    LG

    Manfred

    • Wieso ist der Strompreis gesunken? Da gibt es nach meiner Auffassung mehrere Ursachen: Neben dem Merit-Order-Effekt spielt der stark gesunkene Preis für die CO2-Zertifikate eine Rolle. Auch ist der Preis für Kohle gesunken, da die USA immer weniger Kohle selbst verbrauchen und ihre Förderung auf den Weltmarkt werfen. Außerdem gibt es nach wie vor Überkapazitäten im Kraftwerksmarkt.

      Hans-Peter Scheerer

      • Hallo Herr Scheerer

        Der Hauptgrund der gesunkenen Börsenpreise ist der Merit Order Effekt ( MOE ) den die EE auslösen.
        Die gesunkenen Steinkohle Preise, und für die Zertifikate, würden ohne die EE gar keinen Einfluss auf den Börsenpreis nehmen, weil ohne die EE, die teuren Gaskraftwerke noch die Preis bestimmenden Grenzkraftwerke wären. Die billige Steinkohle und Zertifikate würden ohne die EE lediglich für die Betreiber einen zusätzlichen „Mitnahme Effekt „ bewirken, weil ja bekanntlich alle, für den jeweiligen Bedarf benötigten Kraftwerke, nach dem Grenzkraftwerk bezahlt werden.
        Mit anderen Worten, die EE bewirken einen „Hypo“ MOE in dem sie dafür sorgen, dass nicht nur die Steinkohle selbst, sondern auch noch deren niedrige Preise wirksam werden.
        Bestätigt sieht man das in der folgenden Studie.
        http://tinyurl.com/plfxmv8
        Zitat:
        In Deutschland sind die Preise niedriger als in den Nachbarstaaten, weil in diesem Land Steinkohle und erneuerbare Energien den Preis setzen, während in Nachbarländern häufiger teurere (Gas-)Kraftwerke zum Einsatz kommen.

  3. Hallo Herr Scheerer und alle Freunde der Energiewende

    Ich habe es in meinem ersten Beitrag schon erwähnt, der Merit Order Effekt ausgelöst durch die Erneuerbaren, ist seit Jahren eines meiner Hobby.s

    Die aktuellen Meldungen, wie RWE macht 3 Milliarden Verlust, weil ihre teuersten Kraftwerke kaum noch am Netz sind, gibt mir eine Steilvorlage, um meiner Merit Order Betrachtung Nachdruck zu verleihen, und ihre Zweifel am Volumen des Merit Order Effektes, doch noch auszuräumen.

    Schauen Sie sich auf dem folgenden Link, die zweite Grafik von links an.

    https://www.google.de/#q=merit+order

    Da haben wir die Nachfrageachse, zusammen mit der Angebotskurve, womit sich der jeweilige Börsenpreis ergibt..

    Ergänzend dazu zeigen die anderen Bilder die preisliche Reihenfolge der Erzeugungsarten. Die teuersten mit Öl und Gas ganz rechts, und die Kernenergie, oder Laufwasser als die Billigsten ganz links..

    Wenn man nun die Kurve der Erzeugungsarten auf die Angebot/Nachfragegrafik überträgt entsteht der Börsenpreis wie folgt:
    Ohne die EE, also ohne Merit Order durch diese, ergibt die Nachfrage N1 den Börsenpreis P1

    Mit den EE, also mit Merit Order, werden die EE ganz links, noch vor der Kernenergie vorrangig angeboten, und verschieben die konventionellen Angebote nach rechts, was zur Folge hat, dass die Gaskraftwerke, und neuerdings auch Steinkohle, immer öfter aus dem Angebot verdrängt werden, wo durch die Nachfrage N2 und der Börsenpreis P2 entsteht.
    Genau diese Differenz zwischen P1 und P2 beklagt RWE gegenwärtig mit den 3 Milliarden.
    Offiziell bis jetzt nur RWE wohlgemerkt.

    Dazu kommt noch, dass alle zur jeweiligen Nachfrage benötigten Kraftwerke die unter dem jeweiligen Börsenpreis produzieren, mit diesem Bezahlt werden. Der sogenannte „Mitnahmeeffekt“ wird wirksam. Das bedeutet, dass die abgeschriebenen AKW wegen des Merit Order Effektes durch die EE, gegenwärtig nur noch nach Börsenpreis P2 bezahlt werden.

    Wenn jetzt noch jemand die Bilder von dem Link direkt hochladen würde, wären meine Ausführungen noch besser bildlich zu betrachten.

    • Hallo Herr Diehl,

      das Hochladen von Dateien ist in der Kommentarfunktion leider nicht möglich, sehr wohl aber eine direkte Verknüpfung (und damit Ansicht) des erwähnten Bildes auf wikipedia:

      Bild Merit Order Effekt Nachfrage Angebot

      An der Diskussion hier im Blog erkennt man, dass dieses Thema zu komplex ist, um der breiten Öffentlichkeit in wenigen Sätzen plausibel zu erklären, welchen Effekt die Erneuerbaren Energien auf den Strompreis nun wirklich haben. Und schon hört man Dinge wie in der gestrigen Heute Show des ZDF, in der die Behauptung der FAZ nachgeplappert wird, jeder Deutsche zahle im Jahr 240 Euro EEG-Umlage. Das dies mit Blick auf die Jahresstromrechnung und dem prozentualen Anteil der Umlage am Gesamtstrompreis gar nicht möglich ist, wird nicht weiter gedanklich verfolgt, leider auch nicht von den meisten Journalisten.

      Doch wie kann man die Mechanik verständlich, kurz und knapp erklären?

  4. Hans-Peter sagte am 2. März 2014 um 16:10 :
    Hallo Herr Diehl,
    wie schrieben sie so deutlich: Der Merit-Order-Effekt ist ein so komplexer Prozess, den kann man nicht einfach an Hand nackter Zahlen beurteilen. Aber sie versuchen es dann doch umfangreich. Ich denke, dass Untersuchungen die vor 2010 gemacht wurden, kaum noch Aussagekraft haben. Keine der Studien hat die große Dynamik richtig vorhergesehen.

    Hans Diehl sagt:
    Vielleicht hätte ich an Stelle nackter Zahlen, aneinanderreihen fundierter Zahlen schreiben sollen.
    Denn das sind sie allemal, belegt mit Quellenangaben.
    Den Merit Order Effekt ausgelöst durch die unsteten EE kann man nur über eine Untersuchung über 8760 Jahresstunden ermitteln. Das ist die Ausgangsposition meiner Betrachtung. Die Studie von 2006 macht mit belastbaren Zahlen deutlich, welches gewaltige Potenzial sich da verbirgt.
    Die große Dynamik des Ausbaus, forciert sogar noch den Merit Order Effekt, weil durch mehr EE die teuersten konventionellen Kraftwerke noch weniger zum Einsatz kommen, und die Billigeren den Börsenpreis bestimmen.
    Eindeutig bestätigt wird das, durch die jüngsten Meldungen, die den gegenwärtigen Merit Order Effekt nicht deutlicher darstellen können.
    Schauen Sie mal hier:
    http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wirtschaft_nt/article125302680/RWE-droht-Milliardenverlust-fuer-2013.html
    Zitat: RWE droht Milliardenverlust
    Grund seien hohe Wertberichtigungen auf die konventionellen RWE-Kraftwerke, die wegen des Booms der erneuerbaren Energien immer seltener am Netz sind. Zitat Ende
    Dem gegenüber ist zwar mit der Dynamik die Vergütung auch angestiegen , aber durch die kontinuierliche Absenkung mit fallender Tendenz.

    Sie sagen:
    Auch ihre Antworten auf meine Fragen überzeugen mich nicht. Da wird doch vieles durcheinander gebracht.

    Meine Antwort:
    Wenn Sie mir sagen was da durcheinander gebracht wird, können wir möglicherweise gemeinsam aufräumen.

  5. Hallo Herr Diehl,
    wie schrieben sie so deutlich: Der Merit-Order-Effekt ist ein so komplexer Prozess, den kann man nicht einfach an Hand nackter Zahlen beurteilen. Aber sie versuchen es dann doch umfangreich. Ich denke, dass Untersuchungen die vor 2010 gemacht wurden, kaum noch Aussagekraft haben. Keine der Studien hat die große Dynamik richtig vorhergesehen. Auch ihre Antworten auf meine Fragen überzeugen mich nicht. Da wird doch vieles durcheinander gebracht.

  6. Hallo Herr Scheerer

    Der Merit Order Effekt ist ein so komplexer Prozess, den kann man nicht einfach an Hand nackter Zahlen beurteilen.
    Ich beschäftige mich seit 2009 mit diesem spannenden Thema. Geweckt wurde mein Interesse durch eine Veröffentlichung im Solarbrief des Solarfördervereins, wo die folgende Studie über 8760 Stunden veröffentlicht wurde.
    http://www.sfv.de/artikel/wind-_und_solarstrom_senken_den_strompreis_der_merit-order_effekt.htm
    Zitat:
    Eine Untersuchung des IfnE (Ingenieurbüro für neue Energien) vom November 2007 im Auftrag des Bundesumweltministeriums, ergab eine Senkung des Großhandelspreises durch alle Erneuerbaren Energien für das Jahr 2006 mit einem Volumen von bis zu 5 Mrd. Euro. Zieht man davon die gesamte Einspeisevergütung nach EEG für den Windstrom und alle anderen Erneuerbaren Energien ab, so ergibt sich immer noch eine Netto-Ersparnis von ca. 2 Mrd Euro.Zitat Ende

    Zur Zeit dieser Untersuchung ( 2006 ) war es noch überwiegend Windstrom der den Merit Order Effekt auslöste, mit zunehmendem Sonnenstrom, der die teuren Mittagsspitzen bedient, hat der MOE erheblich zugelegt. Allerdings haben wir seit der Studie auch einen enormen EE Zubau, so dass eine 100 prozentige Kompensierung der Vergütung, nicht mehr möglich ist.

    Vor dem Hintergrund dieser Untersuchung habe ich 2009 im Photovoltaik Forum einen Thread mit dem Titel „Das Märchen vom teuren EEG Strom“ gestartet, mit lebhaften Diskussionen, und gegenwärtig 198 425 Aufrufen.
    Siehe hier:
    http://www.photovoltaikforum.com/energiepolitik-energiewende-f90/merit-order-und-das-maerchen-vom-teueren-eeg-strom-t36937.html#p300772
    Ein anderer User hat mit dem Thread „Die Delle in der Grundlast“ den Merit Order Effekt im fortgeschrittenen Stadium zum Thema gemacht. Siehe hier:
    http://www.photovoltaikforum.com/photovoltaik-news-f25/die-delle-in-der-grundlast–t76792.html#p684937

    Lassen Sie mich für Mitleser die sich nicht so eingehend mit dem Thema beschäftigen.etwas weiter ausholen.
    Merit Order nennt man am kurzfristigen Spotmarkt der Strombörse die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke, die benötigt werden um die jeweilige Nachfrage zu decken.
    Das letzte noch zur Deckung der Nachfrage benötigte Kraftwerk bestimmt den Börsenpreis. Dieser Preis gilt dann für alle Kraftwerke, auch für die Kraftwerke, die unterhalb dieses Preises produzieren. Der sogenannte „Mitnahme Effekt“ wird wirksam. Vor den Erneuerbaren waren es in der Regel teure Gaskraftwerke die den Börsenpreis bestimmten, und den Mitnahme Effekt hoch hielten. Da wurde z.B. ein abgeschriebenes AKW zum Preis des Gaskraftwerks bezahlt.
    Das wurde schlagartig anders, als die Erneuerbaren an den Spotmarkt kamen. Die haben nicht nur Vorrang in der Einspeisung, sprich Angebot, sonder werden auch noch zum „Nulltarif“ angeboten, weil die ja über die Umlage außerhalb des Börsenhandels bezahlt werden.Das hat zur Folge, dass die teuren Gaskraftwerke verdrängt werden, und zum größten Teil die weit aus billigeren Steinkohle Kraftwerke Grenzkraftwerke, und somit Börsenpreis bestimmend werden. Dazu kommt noch, dass sich logischerweise dadurch auch der Mitnahme Effekt für die darunter produzierenden Kraftwerke verringert.
    Was neuerdings noch dazu kommt ist die Tatsache, dass der durch die EE gesenkten Börsenpreis benutzt wird, um lukrative Geschäfte zu machen. Da werden langfristige Verträge am Terminmarkt, immer dann mit Strom vom Spotmarkt bedient, wenn der Preis am Spotmarkt unter den vereinbarten Festpreisen vom Terminmarkt liegt. Was in letzter Zeit immer öfter der Fall ist.
    Siehe hier:http://idblog.hdm-stuttgart.de/strompreis/category/rechercheergebnisse/
    Zitat:
    Der Grund dafür, dass Unternehmen wie RWE auch an der Börse einkaufen, obwohl sie selbst rund 30 Kraftwerke besitzen und somit eigentlich genug Strom produzieren, ist einfach. Es gibt Tage, da ist der Strompreis an der Börse so günstig, dass eine Eigenproduktion viel teurer wäre. Daher werden dann die Kraftwerke gedrosselt und lieber günstig eingekauft. Zitat Ende

    Fazit:
    Der Preis an der Strombörse hat sich in den letzten Jahren nachweislich fast halbiert. Dabei ist die latente Preissenkung noch nicht mal berücksichtigt, denn nach dem Abschalten der ersten AKW sollte der Börsenpreis nach Experten Aussage, rapide ansteigen. Ausgehend von der Untersuchung für 2006, wo überwiegend mit Windstrom ein Merit Order Volumen von 5 Milliarden Euro ermittelt wurde, kann man sich ein Bild machen, was von der fast Halbierung des Börsenpreises der letzten Jahre dem Merit Order Effekt, durch die EE zuzuordnen ist.
    Verschiedentlich- auch von Ihnen – werden auch günstige Steinkohle wegen der billigen Zertifikaten als Grund für die niedrigen Börsenpreise genannt. Das stimmt so nicht, denn ohne die EE in der Merit Order Kurve wären noch die Gaskraftwerke Preis bestimmend, und die billige Steinkohle würde lediglich zu einem Mitnahme Effekt für ihre Betreiber führen, und auf den Börsenpreis keinen Einfluss nehmen..
    Ich denke Sie kennen die Merit Order Kurve, siehe hier.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Merit-Order

    Lassen Sie mich konkret noch auf wesentliche Punkte in Ihrem Beitrag eingehen

    Sie sagen:
    Wind und Sonne sind sehr unstet und bei weitem nicht ständig verfügbar. Der Strompreis an der Börse ist  aber für alle Stunden des Jahres gesunken.
    Meine Antwort:
    Der Strompreis an der Börse ist zwar von Stunde zu Stunde unterschiedlich. Der Börsenpreis der in den letzten Jahren um etwa 50% gesunken ist, ist ein Durchschnittspreis den alle an der Börse gehandelten Erneuerbaren verursacht haben.

    Ihre Frage:
    Wie kann die Sonne den Strompreis senken, wenn sie nicht scheint?

    Meine Antwort:
    An der Börse werden Wind und Sonnenstrom ja nicht separat gehandelt, sondern im Paket aller an der Börse gehandelten EE Erzeugungsarten. Die Sonne ist in diesem Paket der kalkulierbarste Preissenker, weil sie immer zur gleichen Zeit am höchsten steht, und zu dem noch dann, wenn der Merit Order Effekt am effizientesten wirkt, weil da die Börsenpreise am höchsten sind.
    Was glauben Sie denn, warum die konventionelle Stromwirtschaft ausgerechnet die PV so schwer im Magen liegt. Besondere Betroffenheit können Sie im Folgenden sehen und hören.
    http://www.blick.ch/news/politik/sonnentage-bringen-millionen-verluste-in-der-schweiz-id2001811.html
    Zitat: Den grossen Schweizer Stromunternehmen sind Tage wie heute ein Graus. Je stärker die Sonne scheint, desto mehr Verlust fahren sie ein. Zitat Ende.

    Ich weiß nicht ob Sie dieses Portal kennen
    http://www.sma.de/unternehmen/pv-leistung-in-deutschland.html

    Sie sagen:
    Die EE werden ausschließlich über den sogenannten Spotmarkt verkauft. Die Strompreise für die Endkunden werden aber zum allergrößten Teil vom Terminmarkt bestimmt, wo Strom viele Monate im Voraus gekauft wird. Woher weiß der Verkäufer von Strom, wie viel Erzeugung von EE in einigen Monaten herrschen wird?

    Meine Antwort:
    Es ist richtig, dass der EE Strom ausschließlich am Spotmarkt gehandelt wird. Allerdings geht der Trend weg vom Terminmarkt hin zum Spotmarkt, weil man gemerkt hat, dass durch den Merit Order Effekt den die EE da auslösen, zeitweise Schnäppchen zu machen sind.
    Siehe hier: http://www.iwr.de/news.php?id=22065
    Die Preissenkung am Spotmarkt wirkt am Terminmarkt zeitversetzt, weil man an langfristige Verträge gebunden ist. Es sei denn, man bedient die langfristige Verträge immer dann mit Strom von der Börse, wenn er da unter dem vereinbarten Festpreis liegt, wie ich oben schon erwähnt habe. Das dient allerdings nur dem Verkäufer.

    Sie sagen:
    Auch Gespräche mit Energiemarktexperten haben die Zweifel unterstützt. Die verweisen darauf, dass immer noch erhebliche Überkapazitäten im Strommarkt sind und das auch noch 2-4 Jahre so bleiben wird, zumindest im Bundesdurchschnitt.

    Meine Antwort:
    Es kommt darauf an mit welchen Experten man spricht.Es stimmt die Überkapazitäten tragen auch einen Teil zur Preissenkung bei. Die Überkapazitäten entstehen, weil es für die Kraftwerksbetreiber günstiger ist am Netz zu bleiben, anstatt sich ( wie im EEG vorgegeben ) den Erneuerbaren anzupassen und abzuregeln. Zumal Mindereinnahmen, die dadurch entstehen, wenn sie Strom für kurze Zeit verschenken müssen, ( bis ein Abnehmer gefunden ist ) über die Umlage den Verbrauchern aufgebürdet werden, in Form von weniger Einnahmen auf dem EEG Konto
    Letztendlich wird der billige Überschussstrom noch lukrativ ins Ausland verkauft. Laut dem statistischen Bundesamt im letzten Jahr mit einem Volumen von 1,4 Milliarden.
    Siehe hier:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stromexporte-in-deutschland-steigen-trotz-atomausstiegs-a-891961.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://t.co/voqiT331Ny

    Lassen Sie mich zum Schluss noch eine Bemerkung zu der Veröffentlichung des BDEW machen..
    Schon deren Vorgänger die VDEW waren den Erneuerbaren nicht wohl gesonnen.
    Das habe ich selbst 1992 in deren Zeitschrift, erstaunt zur Kenntnis nehmen müssen.
    Das ist noch heute im Archiv des SfV nachzulesen.
    Schauen Sie mal hier: http://www.sfv.de/sob98440.htm
    Zitat:
    Abwehraspekte grüner Angebote
    Auszug aus: Zeitschrift für Energiewirtschaft, Heft 1/98; S. 59: „Green Pricing: kundenorientierte Angebote in der Elektrizitätswirtschaft“ von Thyge Weller
    „[…]In erster Linie, wenn auch weniger stark öffentlich verkündet, sind indes unternehmenspolitische Zielsetzungen entscheidend für die Initiatoren Grüner Angebote.[…]
    Schließlich ist nicht zu übersehen, daß in einem Grünen Angebot durchaus auch Abwehr-Aspekte enthalten sein können: in diesen Fällen wird das Gegenteil dessen angestrebt, was vordergründig als Ziel vorgegeben ist. Vergleichbar mit dem Konzept industrieller Selbstverpflichtung soll ein solches Grünes Angebot im Einzelfall weitergehende staatliche Vorschriften zur Förderung erneuerbarer Energien verhindern helfen oder dem gesellschaftlichen Druck etwa zur Einführung kostendeckender Vergütung entgegenwirken. Ferner können derartige Abwehr-Projekte daraufhin konzipiert werden, daß dem Kunden die Beschränkungen (Kosten, Verfügbarkeit etc.) der erneuerbaren Energien deutlich werden und damit die Notwendigkeit einer fossil-nuklearen Erzeugung betont wird.[…]“Zitat Ende.

    Damals waren Grüne Angebote im Vormarsch, die abgewehrt werden sollten.
    Sie werden Verständnis dafür haben, dass ich seit dem alle Veröffentlichungen von denen unter diesem Gesichtspunk betrachte.

    Ich hoffe ich konnte mit meinen langjährigen Merit Order Recherchen einen Teil zu diesem Thema beitragen

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