„Baukonzepte für mehr Klimaschutz: Wohnen, KiTas, Schulen“: Info-Abend am 14.02.2019

ENERGIEWENDE e.V. lädt ein zur Jahresmitgliederversammlung (ab 19 Uhr) und anschließend zur Veranstaltung

„Baukonzepte für mehr Klimaschutz: Wohnen, KiTas, Schulen“
am Donnerstag, den 14. Februar 2019 um 20:15 Uhr
im Rüsselsheimer Bräu, Mainstr. 4-6, 1. Obergeschoss

Wohnraum im Rhein-Main-Gebiet ist knapp. Rüsselsheim kann nur noch wenige Neubaugebiete ausweisen. Umso wichtiger ist es, dass diese Neubaugebiete von Beginn an zukunftsorientiert entwickelt werden. Nicht nur im Hinblick auf eine soziale Durchmischung, sondern auch durch eine energetisch maximal optimierte Bauweise, eine ressourcenschonende Energieversorgung mit geringen laufenden Kosten und eine optimale Verkehrsanbindung mit dem ÖPNV und Fahrrad. Dies gilt gleichermaßen für (kommunale) Nichtwohngebäude wie zum Beispiel Bildungsstätten.

ENERGIEWENDE e.V. informiert bei der Veranstaltung über Möglichkeiten und gute Beispiele aus Gemeinden und Städten aus der Umgebung.

Referenten des Abends sind Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding, sowie Gabriele Walter-Reichelt, Fachbereichsleitung Gebäudemanagement des Kreises Groß-Gerau.

Mit der Vorstellung von zukunftsweisenden Baukonzepten in der Umgebung von Rüsselsheim möchten wir einen Überblick über das praktisch Realisierbare im energieeffizienten und klimafreundlichen Neubau geben und stellen zudem die Frage nach den ‚echten‘ Energiekosten.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Interessierte Zuhörer sind herzlich willkommen!

Ein Gedanke zu „„Baukonzepte für mehr Klimaschutz: Wohnen, KiTas, Schulen“: Info-Abend am 14.02.2019

  1. Zu diesem Thema gefällt mir ein GASTBEITRAG von
    MONTAG, 04. FEBRUAR 2019 in der FRANKFURTER RUNDSCHAU sehr gut:

    Mobil sein und Spaß dabei haben

    VON HELMUT HOLZAPFEL

    Über Jahrzehnte hin und trotz aller neuen Ansätze, die sich etwa Verkehrsentwicklungsplan nannten, hat der Autoverkehr in unseren Städten weiterhin die zentrale Rolle oder wächst gar noch. Woran scheitert neues Handeln?

    Ein Grundfehler ist es oft schon, Reduzierung des urbanen Autoverkehrs als Zwangsmaßnahme zu sehen, als Verzicht. Die Wut in von Unwissen geprägten Debatten im Internet über Sperrungen wegen der Luftschadstoffe, die angeblich nur in Deutschland vorkommen, ist aggressiv. Dass in Italien Städte wegen Feinstaub tagelang für Diesel dicht sind, dass Paris ganze Straßenzüge für Autos sperrte und es am Ende dabei blieb, weil das Stadtklima besser wird – es will bei uns so mancher nicht wissen.

    Der gerade verstorbene Umweltpionier Horst Stern sagte einmal, man wisse ja, was zu tun sei, nur, man tue es nicht. Es fehlt also an Aufklärung: Umkrempeln urbaner Planung heißt zunächst einmal: die positiven Effekte eines geringeren Autoverkehrs aufzeigen!

    Erfolgreiche, lebenswerte Kommunen in Europa sind solche, die erste Schritte zu weniger Autoverkehr machen oder sogar, wie Kopenhagen, schon weiter sind. Handelskammern und Wirtschaftsvertreter, oft noch im alten Weltbild verhaftet, müssen lernen, dass Städte wie Zürich oder Freiburg attraktiver sind als Autostädte wie Wolfsburg oder Stuttgart.

    Weniger Autos bedeuten mehr Umsatz im Handel. Ein Kaufhauschef in Kassel konnte unsere Umfrageergebnisse nicht fassen, dass weitaus das meiste Geld von Kunden ausgegeben wird, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß zu ihm kommen.

    Ein Umbau muss zeigen, dass öffentliche Räume und Platz für Menschen statt für Autos die Basis eines Erfolges sind. Ziel einer Mobilitätswende sind lebenswerte Orte, die den Menschen viel mehr Möglichkeiten eröffnen. Urbane Areale voller Menschen in Kopenhagen, in Straßencafés oder flanierend, zeigen, dass der Aufenthalt an solchen Orten interessanter ist als das Sitzen im gestauten Auto.

    Wir brauchen dringend bei uns sichtbare Modelle funktionierender öffentlicher Räume und einer neuen städtebaulichen Mischung von Wohnen und Gewerbe. Diese müssen eine vorbildliche Erschließung durch ein Fuß- und Radwegenetz aufweisen, die Eigenfortbewegung nicht am Rande zusammenpfercht. Bei hoher Bebauungsdichte lässt sich damit auch ein moderner öffentlicher Verkehr mit ansprechendem Design und ökologischem Antrieb verbinden. Ein erstes „Sichtbarmachen“ bieten zunächst befristete Umwidmungen von Straßenraum in Flanierflächen (in Paris wirkte das). Kaum haben sie es erlebt, wollen viele Menschen darauf nicht mehr verzichten.

    Heute sind immer noch etwa ein Viertel aller Autofahrten kürzer als zwei Kilometer, fast die Hälfte noch unter fünf Kilometer. Gerade diese sind es, die zu Schadstoffen und Belastungen immens beitragen (jede Verbrauchsanzeige zeigt auf den ersten Kilometern hohe zweistellige Werte). Es braucht wenig, um solche Wege zu verlagern: gute Gehwege, eine bessere Kontrolle der Falschparker und mehr Öffentlichkeit (auch in Schulen, die den Eltern erklären, wie unsinnig „Elterntaxis“ sind) machen viel aus.

    Eine gute Koordination von Stadtentwicklungs- und Verkehrsplanung kann mit weniger Autoverkehr eine lebenswerte Stadt entwickeln. Die Einsparung ist größer als manche Maßnahme der Motortechnik. Beispiele wie Kopenhagen zeigen, dass eine Halbierung der Kilometerleistung der Autos möglich ist. Wenn dieses bisher kaum erkannte Potenzial zu neuen Antriebstechniken hinzukommt, sind wir einen großen Schritt weiter zu einem fossilfreien Verkehr. Nicht die Staubeseitigung, sondern der „lebenswerte Ort“ mit sauberer Luft und angenehmen öffentlichen Räumen ist dabei Planungsziel.

    Wenn eine positive Perspektive demonstriert wird, ist die öffentliche Unterstützung einer urbanen Mobilitätswende nicht weit. Fahrradinitiativen von jungen Leuten haben ja dasselbe Ziel – warum sollte man die Akteure in eine solche Veränderung von Stadt und Verkehr nicht integrieren? Selbst Klagen der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die bei einigen Politkern Panik auslösen, können, so zeigt es der Ausgang des Gerichtsverfahrens in Darmstadt mit einem Vergleich, durch die Perspektive neuer Mobilität ins Positive gewendet werden. In diesem Vergleich stehen Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs an prominenter Stelle. Die Kommune selbst müsste sie noch durch eine Stadtentwicklungspolitik mit einer Aufwertung der öffentlichen Räume ergänzen.

    In unseren Städten (mehr oder weniger urban geprägt ist die halbe Republik) kann ein Umkrempeln der Mobilität positive Wirkung entfalten. Ja, an vielen Orten wird sie mehr Spaß machen.

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