Über Hans-Peter

Nichts kommt von selbst und nur wenig hat Bestand.

Zweifelhaftes Gutachten über die Wirkung des EEG

„Merkel-Berater: EEG abschaffen“, so titelte die FAZ am 26.2.14 und der Redakteur Andreas Mihm konnte sich einen Kommentar dazu (EEG entzaubert) nicht verkneifen. Was war passiert?

Die beim Bundesforschungsministerium angesiedelte Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat ihr Jahresgutachten veröffentlicht.  Die Kommission sieht „keine Rechtfertigung für eine Fortführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes“. Sie begründet dies damit, „dass das EEG weder ein kosteneffizientes Instrument für den Klimaschutz ist noch eine messbare Innovationswirkung zu entfalten scheint“. Ihr Urteil begründet die Kommission mit einer zu geringen Anzahl von Patentanmeldungen und dem Hinweis auf dem europäischen Emissionshandel.

Beides ist sehr oberflächlich und würde kaum auf Resonanz stoßen, wenn es nicht mitten in die Debatte um die Erneuerung des EEG fallen würde. Der fehlenden Innovationswirkung widerspricht zum Beispiel der Forschungsverbund Erneuerbare Energien,  der einen steilen Anstieg der transnationalen Patente gerade in diesem Bereich sieht. Und das ausgerechnet dem misslungenen System des Emissionshandels eine Wirkung unterstellt wird, dem EEG aber nicht, hält einer genaueren Betrachtung nicht stand.

Sehr ausführlich geht die Energie-Chronik von Udo Leuschner (http://www.energie-chronik.de/140205.htm) auf das Thema ein und liefert weitere Quellen.

Hans-Peter Scheerer

Wie Wind und Sonne den Strompreis beeinflussen

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Wie groß ist der Merit-Order-Effekt wirklich?

Der Anteil von erneuerbaren Energien (EE) an der Stromerzeugung steigt kontinuierlich und hat mittlerweile 25% im Jahresmittel erreicht. Gleichzeit ist seit mehreren Jahren ein Rückgang der Strompreise an der Börse zu erkennen. Vertreter der EE-Branche verweisen darauf, dass dieser Strompreisrückgang von den EE verursacht wird. Die Minderkosten insbesondere für die Industrie müssten also von den Kosten der EE-Umlage abgezogen werden.

Die Argumentation, dass über den sogenannten „Merit-Order-Effekt“ der Preis an der Strombörse gesenkt wird ist plausibel. Hier im Blog ist zuletzt Tina Ternus sehr ausführlich auf den Sachverhalt eingegangen.

Dennoch zweifele ich in letzter Zeit, dass der Effekt als Begründung ausreicht. Zum Nachdenken haben mich zwei Fragen gebracht: Weiterlesen

smart renewables 2014

Zusammenfassung

Am 25. und 26.2. fand in Berlin die Veranstaltung „smart renewables 2014“ des BDEW statt. Kernstück der aktuellen Diskussionen war die geplante Reform des EEG. Der Entwurf wird vom BDEW und den Branchenvertretern überwiegend begrüßt. Lediglich für das Thema Bioenergie sieht es derzeit schlecht aus. Weiterlesen

Starker Auftritt von Rainer Baake bei der smart renewables 2014

Inhaltlich war von Baake wenig Neues zu hören. Der „Staatssekretär der Energiewende“ stellte beim BDEW-Jahreskongreß für erneuerbare Energien in Berlin die Position der Bundesregierung vor. Die Art der Darstellung und das Eingehen auf Fragen und Argumente wirkten auf mich absolut souverän. Baake ist derzeit der Chef der Energiepolitik in Deutschland.

Er wies darauf hin, dass die EE in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich einen Anteil von 25% an der Stromerzeugung erreicht haben. Jedoch werden für die nächsten 25% deutlich andere Anforderungen an die EE gestellt. Sie sind erwachsen geworden und müssen mehr Verantwortung für das Funktionieren des Gesamtsystems übernehmen. Baake erläuterte die Kernpunkte des aktuellen EEG-Entwurfs:

  1. Verlässlicher Ausbaukorridor von 35% bis 2020.
  2. Kosten des weiteren Ausbaus senken, durchschnittlich noch 12 Ct soll die kWh EEG-Strom kosten, gegenüber 17 Ct bisher.
  3. Mehr Heranführung an den Markt, alle Anlagen über einer sog. Bagatellgrenze müssen in die Direktvermarktung. Hier werden aktuell Leistungen von 100 bis 500 kW diskutiert.
  4. Gerechte Verteilung der Kosten, worunter die Begrenzung des Eigenstromprivilegs und die Befreiungstatbestände für die Industrie verstanden werden.

Das Beihilfeverfahren der EU-Kommission nannte er eine ausgesprochen unangenehme Situation, da derzeit keine weiteren Bescheide – auch keine Verlängerungen für industrielle Großverbraucher erteilt werden können.

Auch wenn ich inhaltlich mit einigen Regelungen des neuen Gesetzes nicht einverstanden bin, erscheint die Energiepolitik derzeit wesentlich besser gemanagt als in den vergangenen Jahren. Das stimmt mich zuversichtlich, dass aus der Reform keine ewige Hängepartie wird. Die wäre sicherlich schlechter für die Energiewende, als der eine oder andere Makel bei den Einspeisetarifen.

Hans-Peter Scheerer

Neue Kraftwerke entstehen an den falschen Standorten

Diese Vermutung legt der Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt nahe.

Nach dem Bericht (S. 33) befinden sich bundesweit derzeit 10.898 MW an sog „dargebotsunabhängigen“  Erzeugungskapazitäten in Bau, die bis 2016 fertiggestellt sein sollen.  Damit sind Kraftwerke gemeint, die geregelt werden können und nicht vom Wetter abhängig sind. Der größte Teil des Zubaus geht auf das Konto von Kohlekraftwerken. Demgegenüber planen die Unternehmen bis 2018 einen Rückbau von bis zu 9.941 MW. Hieraus ermittelt die Agentur einen positiven Saldo von 957 MW bis Ende 2018.

Allerdings sieht die Situation in Süddeutschland (S. 34) anders aus. Südlich des Mains befinden sich derzeit 1.978 MW in Bau, die voraussichtlich bis 2015 fertiggestellt werden. In den Folgejahren bis 2018 wird derzeit kein weiterer Zuwachs erwartet. Die Rückbauplanungen in Süddeutschland belaufen demgegenüber im Zeitraum 2013 bis 2018 auf bis zu 7.395 MW. Hieraus kann sich ein negativer Saldo von bis zu 5.417 MW ergeben.

Dieser Trend legt m. E. zwei Schlussfolgerungen nahe:  Strom bleibt an der Börse weiterhin billig, da die Erzeugungskapazität nicht abnimmt. Die Netzstabilität in Süddeutschland ist gefährdet, wenn keine Verstärkungen erfolgen. Die Übertragungsnetzbetreiber werden daher Reservekraftwerke unter Vertrag nehmen müssen.