Rückblick auf die Veranstaltung „Energiepolitische Wahlprüfsteine“ am 14.09.

Oberbürgermeisterwahl 2017: Wie stehen die Kandidaten zur Energiewende?
Diese Fragestellung machte die Podiumsdiskussion von ENERGIEWENDE im Lassallesaal der Stadthalle zu einer Besonderheit im straffen Wahlveranstaltungskalender der Kandidaten. Amtsinhaber Patrick Burghardt (CDU) sowie seine Mibewerber Udo Bausch (parteilos) und Joachim Walczuch (WsR) äußerten sich vor rund 45 Zuhörerinnen und Zuhörern zu den Themen Verkehr, Gebäudesanierung und Neubaugebiete – mit Fokus auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.

Die Kandidaten hatten diese drei Themenfelder aus einem von ENERGIEWENDE vorbereiteten Themenstrauß gewählt. Auch im Publikum zeigte sich ein ähnliches Interessensbild.

Die Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl 2017: Patrick Burghardt, Joachim Walzchuch, Udo Bausch (von li. nach re.)

Udo Bausch forderte eine ambitionierte Bauleitplanung für die Neubaugebiete Eselswiese und Quartier am Ostpark. Rüsselsheim könnte mit einem Neubaugebiet, dass sich in seiner Energiebilanz als vorbildlich gestaltet, Strahlkraft in die Region entfalten. Zu prüfen sei, ob die Mehrkosten für energetisch ambitionierte Gebäude über einige Jahre hinweg gerechnet wirklich mehr kosteten als für Gebäude nach dem gesetzlichen Standard. Joachim Walzchuch und Patrick Burghardt wiesen darauf hin, dass die Bauherren nicht über Gebühr finanziell belastet werden dürften. „Die Mehrkosten für die letzten Prozente hin zum Nullemissionshaus sind nicht immer gerechtfertigt“, so Walczuch. Patrick Burghardt verwies darauf, dass für das Quartier am Ostpark eine Wärmeversorgung im Zusammenspiel mit Immanuel Kant-Schule und Großsporthalle angedacht sei.

Bei der Gebäudesanierung sehen alle Kandidaten dringlichen Nachholbedarf – und das sowohl auf städtischer Seite auch als bei privaten Hausbesitzern. Es gelte, den Sanierungsstau dringlichst anzupacken. Joachim Walchzuch gab zu bedenken, dass es schwer sei, private Hausherren zur energetischen Sanierung zu motivieren, solange die Öl- und Gaspreise sich auf einem niedrigen Niveau bewegten. Umso wich­tiger sei es, ein Be­wusst­sein bei den Men­schen zu schaf­fen, z.B. über die Schaffung einer grünen Hausnummer für vorbildlich sanierte Gebäude und über eine stärkere Einbindung des Handwerks in das Thema. Patrick Burghardt verwies darauf, dass die Verwaltung bereits ein gutes Beratungsangbot an die Bürger mache, z.B. durch eine Energieberatung bei Abruf von Mitteln des Regionalfonds für Schallschutzmaßnahmen. Als dringlich geboten sehe er die Sanierung des Rathauses; hierzu gebe es auch entsprechende Planungen. Udo Bausch betonte, dass er sich schon seit langem mit dem Thema Bauökologie beschäftige und sich eine intensive Beratung privater Hausbesitzer im Hinblick auf die verfügbaren Dämmstoffe und die Belüftung von gut gedämmten Gebäuden wünsche, um Bauschäden zu vermeiden. Er betonte auch, dass die Stadt mit gutem Beispiel bei den Liegenschaften vorangehen müsse.

Beim Thema Verkehr waren sich alle drei Kandidaten einig, dass vor allem der Radverkehr in der Stadt weiter gefördert werden müsse. Die Erstellung eines Verkehrskonzepts hielten zumindest Patrick Burghardt und Udo Bausch für sinnvoll. Beim Radverkehr bewege sich Rüsselsheim bereits auf einem sehr hohen Niveau, so Burghardt. 60km Radwege seien für eine Stadt dieser Größe sehr viel, außerdem habe man bei der Umgestaltung des Mainvorlandes und der Frankfurter Straße/Mainzer Straße deutliche Verbesserungen für die Radfahrer geschaffen. Auch der Opelsteg sei eine enorme Erleichterung für den Durchgangsradverkehr zwischen Rüsselsheim und Bischofsheim. Für eine gute Pflege des Radwegsnetzes machten sich auch die Kandidaten Bausch und Walczuch stark. Bausch betonte zudem, dass er auf die Einhaltung der geltenden Verkehrsregeln (Stichwort Raser, Falschparker) stärker pochen werde. Hier gebe es auch die Möglichkeit baulicher Maßnahmen, die besser wirkten als eine reine Beschilderung. Auch eine Mobilitätszentrale am Opel-Altwerk brachte Bausch in die Argumentation ein. Walczuch hob die Bedeutung eines gut getakteten ÖPNV hervor und forderte eine Buslinie von Bauschheim nach Ginsheim. Das kostenfreie Parken für die ersten 60 Minuten in der Innenstadt („Brötchentaste“) befürworteten alle drei Kandidaten, der Idee einer autofreien Innenstadt erteilten sie eine Absage.

Für einen lockeren Abschluss sorgte die Frage nach dem persönlichen Verhalten in Bezug auf den Klimaschutz. Alle drei Kandidaten bekannten sich unumwunden dazu, gerne Auto zu fahren und Fleisch zu essen. Dennoch bedienten sie sich kleiner Stellschrauben, um die eigene Klimabilanz zu verbessern: Vom Umstieg auf ein verbrauchsärmeres Auto (Burghardt, Walczuch) über die Dämmung des eigenen Hauses (Burghardt) bis zum Einkauf von regionalen und ökologischen Lebensmitteln (Bausch).

Bericht der Main Spitze

Bericht des Rüsselsheimer Echos

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