Pressebericht über die Veranstaltung „Radschnellwege und Radverkehrskonzept für Rüsselsheim: Was ist möglich?“

Im Anschluss an die Jahresmitgliederversammlung hatte ENERGIEWENDE zu einem Thema eingeladen, dass in 2018 Schwerpunkt der Vereinsarbeit werden soll: Umweltfreundliche Mobilität in Rüsselsheim, vorrangig in Form des Radverkehrs.

Hier der Bericht des Rüsselsheimer Echos vom 03.02.2018:

Schnell per Rad von Stadt zu Stadt

Von MARAIKE STICH

Joachim Hochstein hat viel bewegt für die Rüsselsheimer Radler. Mittlerweile ist er als Leiter des Radfahrbüros für die Zweiradmobilität in der ganzen Region zuständig. Auf Einladung des Vereins Energiewende verriet er, worauf sich die Fahrradfahrer in und um Rüsselsheim in Zukunft freuen dürfen.

Schon während seines Studiums der Geologie war das Fahrradfahren Joachim Hochsteins Steckenpferd. Für die Stadt Rüsselsheim erstellte er damals eine Bestands- und Mängelanalyse Radverkehr. Später gründete er die Ortsgruppe des Rüsselsheimer ADFC. Mittlerweile leitet Hochstein das Radfahrbüro der Stadt Frankfurt und ist Experte in Sachen Radschnellwege im Großraum Frankfurt.

Die Info-Veranstaltung in einem Nebenraum des Rüsselsheimer Bräu stößt auf großes Interesse. Gut 40 Bürger sind gekommen, um sich auf Einladung des Vereins Energiewende auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Viele davon kennt Hochstein persönlich, dementsprechend ungezwungen äußern sich die Gäste.

Autobahn für Fahrräder

„Frag doch mal die Fraport, die kennen ein paar Tricks“, wirft einer ein, als der Experte aus der Bankenstadt von den Problemen des Radwegeausbaus im Bannwald vor Frankfurt erzählt. Weder eine feste Asphaltdecke noch Beleuchtung werde dort von Naturschutzseite genehmigt. Der Abschnitt ist Teil des geplanten Radschnellwegs zwischen Darmstadt und Frankfurt. Von den vielen Routen, die sternförmig auf Frankfurt zulaufen, ist diese Verbindung in der Planung schon am weitesten vorangeschritten.

„Umgesetzt ist noch kein einziger Radschnellweg“, stellt Hochstein eingangs klar. Radschnellwege seien nicht zu vergleichen mit den bestehenden Radwegen. „Das ist ein ganz anderer baulicher Standard“, ergänzt er. Drei bis vier Meter breit sei so eine „Autobahn“ für Fahrräder, mit einer möglichst glatten Asphaltdecke zur Verringerung des Reibungswiderstands. „Das kann man gar nicht miteinander vergleichen. Das Fahren auf so einem Untergrund ist eine ganz andere Dimension“, schwärmt der Experte. Und die hat ihren Preis. Nicht unter 500 000 Euro koste ein Kilometer Radschnellweg. Dafür könne sich die Fahrtzeit bei gleichzeitiger Nutzung eines Pedelecs halbieren.

Entlang der Bahntrasse

Auf der Strecke Darmstadt-Frankfurt sollen schon in diesem Jahr die Bauarbeiten im Abschnitt Egelsbach–Erzhausen beginnen. Im gesamten geplanten Netz werde man in erster Linie bestehende Radwege ausbauen und mit Über- und Unterführungen ergänzen, um ein zügiges Fahren zu ermöglichen. Gänzlich neue Strecken werde es nur wenige geben. „Wir nutzen gerne Wege entlang von Bahntrassen“, informiert Hochstein, das seien in der Regel die direktesten Verbindungen.

Rüsselsheim liegt an der geplanten Trasse Mainz-Frankfurt. Hochstein lobt die vielen Maßnahmen der letzten Jahre entlang der Strecke, besonders die Raunheimer Ölhafenbrücke und den Rüsselsheimer Opel-Steg. „Es darf auch schön sein“, sagt er mit Blick auf das preisgekrönte Brückenbauwerk in der Nachbargemeinde. Auf dem gesamten Weg zwischen Mainz und Frankfurt gebe es aber noch „viel Luft nach oben“. Reinhard Ebert, Bereichsleiter Natur- und Umweltschutz bei der Stadt Rüsselsheim hat zum Ende noch eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Rüsselsheim ist eine von 80 Kommunen in Deutschland, in der die Stickstoffdioxid Belastung die zulässigen Grenzwerte überschreitet. Die gute: Die Stadt darf sich deshalb um Mittel aus insgesamt neun Fördertöpfen mit einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro für alle betroffenen Gemeinden bewerben.

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