Bericht des „Rüsselsheimer Echos“ über die Jubiläumsfeier von ENERGIEWENDE

Fachleute und Energieaktivisten im Gespräch. Von links: Gründungsmitglied von Energiewende, Hans Peter Scheerer, Uwe Fritsche, Bettina Brohmann, Aribert Peters und Heike Muster.  Foto:

Fachleute und Energieaktivisten im Gespräch. Von links: Gründungsmitglied von Energiewende, Hans Peter Scheerer, Uwe Fritsche, Bettina Brohmann, Aribert Peters und Heike Muster.  
 
Am Samstag feierte der Verein Energiewende im Naturfreundehaus sein 25-jähriges Bestehen.

Bei Grillgut und selbstgemachten Salaten kam neben dem freudigen Anlass die Ernsthaftigkeit nicht zu kurz.

Dafür sorgten auch die drei Gastredner, die als prominente Vertreter des Kampfes für die Energiewende angekündigt worden waren. Neben Aribert Peters vom Verein „Bund der Energieverbraucher e. V.“ und Bettina Brohmann, Forschungskoordinatorin der „Transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaften” am Ökoinstitut in Darmstadt, sprach Uwe Fritsche vom Internationalen Institut für Nachhaltigkeitsanalyse und Strategien Darmstadt.

Fritsche betonte, die Einsparungen durch Wärmedämmung und andere Energiemaßnahmen lohnten sich erst richtig, wenn der Nega-Energie Markt ausgebaut werde. Dies bedeutet, dass zuerst Geld investiert werden muss – zum Beispiel in die Förderung von Energiemaßnahmen – um dann schlussendlich Kosten zu sparen und so eine negative Energiebilanz zu belohnen. „Wir stehen jetzt vor der Herausforderung, das atomare Erbe abzuwickeln”, sagte Fritsche. Dabei sei die Energiewende eine planetare Aufgabe, die die Länder nur gemeinsam meistern könnten.

Ein drastisches Umdenken sei dabei aktuell vor allem auch in Frankreich und Japan im Gange. Die Energiewende könne allerdings nicht nur durch Regierungen umgesetzt werden. Bürgergruppen, wie die Rüsselsheimer Energiewende hätten dabei einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. „Wir dürfen uns hier in Deutschland nicht mit dem Ausstieg aus der Atomenergie zufriedengeben. Wir müssen weitere Forderungen nach Wiesbaden und nach Berlin schicken“, forderte Fritsche.

Auch Aribert Peters wies auf die Wichtigkeit von Bürgerinitiativen hin. „Denken sie an den Energiepreisprotest in 2013, als ganz Deutschland gegen die überhöhten Preisforderungen der Energieanbieter mobilgemacht hat”. Die Initiative sei sehr erfolgreich gewesen und habe den Bürgern mehrere Hundert Millionen Euro gespart.

Für die Zukunft sei es wichtig, auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzusteigen, sagte Heike Muster, erste Vorsitzende der Rüsselsheimer Energiewende. Ängste, dass die Bereitstellung von Energie so nicht gewährleistet ist, seien unbegründet. Muster erklärte: „Es gibt unzählige Studien, die klar beweisen, dass der komplette Umstieg auf erneuerbare Energien ohne Probleme machbar ist.” In ganz Europa sei dies sogar umsetzbar, sofern ein garantierter Stromaustausch zwischen den Ländern stattfände.

Zur Kommunikation zwischen der aus etwa 30 Mitgliedern bestehenden Energiewende-Gruppierung und der Lokalpolitik beziehungsweise der Rüsselsheimer Stadtverwaltung sagte Heike Muster, es seien noch einige Wünsche offen. „Wir möchten noch viele Projekte umsetzten. Dazu gehört auch die energetische Sanierung städtischer Gebäude oder die Stärkung des innerstädtischen Fußgänger- und Radfahrerverkehrs”.

Die Zukunftsperspektive für die nächsten 25 Jahre fasst Muster wie folgt zusammen: „Wir wollen den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien ohne Komfortverlust, aber auch dadurch, dass weniger Energie verbraucht wird.”

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